02. August 2013

Zweiklassenmedizin in Bayern: Wo Kassenpatienten am längsten warten

Zweiklassenmedizin: Der Patient rechts ist vollversorgt, der Kassenpatient im linken Bett muss warten. Foto: dpa

Gesetzlich Versicherte warten überall in Bayern spürbar länger auf einen Facharzttermin als Versicherte bei Privatkassen. Zu diesem Ergebnis kommt eine von der Landtagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen beauftragte Studie, bei der Vergleichsanrufe in bayernweit 610 Facharztpraxen getätigt wurden. Im Durchschnitt aller zwölf untersuchten Gebiete wartet ein „Kassenpatient“ demnach 17 Tage länger auf einen Termin, als der privilegierte „Privatpatient“.

„Die Studie zeigt anschaulich: Zumindest bei den Wartezeiten auf einen Facharzttermin ist die Zweiklassenmedizin in Bayern bittere Realität“, so Theresa Schopper, gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsgrünen. „Wenn man dann noch die immer häufiger anzutreffenden räumlichen Trennungen zwischen Kassen- und Privatpatienten in den Wartezimmern sieht, sind Bedenken, dass es auch bei der Behandlung selbst gravierende Qualitätsunterschiede gibt, naheliegend“, so Schopper weiter.

Die Studie verortet bei den Differenzen zwischen gesetzlich und privat Versicherten mit wenigen Ausnahmen ein Nord-Süd-Gefälle. Längere Wartezeiten müssen gesetzliche Versicherte vor allem in Bayerns Norden in Kauf nehmen – mit 30 Tagen in Aschaffenburg, 28 Tagen in Würzburg, 20 Tagen in Bayreuth/Bamberg/Hof und 16 Tagen in Weiden/Oberpfalz. Geringer sind die Unterschiede hingegen im
bayerischen Süden (München 12 Tage, Landshut/Straubing 10 Tage, Rosenheim 9 Tage). Allerdings macht das Allgäu hier eine unrühmliche Ausnahme. Hier warten gesetzlich Versicherte durchschnittlich 22 Tage länger auf ihren Termin, als privat Versicherte, was wohl auch dem Umstand geschuldet war, dass der größte Ausreißer der Studie in Kaufbeuren anzutreffen ist: Bei einem dortigen Augenarzt gab es die „Privataudienz“ bereits nach 26 Tagen, der Termin für den „Kassenpatienten“ wäre in 280 Tagen möglich gewesen.

Theresa Schopper: „Bei diesen Zahlen liegt der Verdacht nahe, dass manchen Medizinern der eigene Geldbeutel näher ist, als das Wohl der Patienten.“ Dieser Wildwuchs ließe sich durch entsprechende Gesetzgebung mit Einführung einer Bürgerversicherung beheben, so Schopper. Ein erster konkreter Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit wäre eine einheitliche Honorarordnung für Arztinnen und Ärzte, bei der
gleiche Leistungen auch gleich entlohnt werden. Theresa Schopper: „Wenn die Honorarunterschiede wegfallen, fehlt der Anreiz zur Bevorzugung bestimmter Gruppen. Da insgesamt nicht weniger Geld zur Verfügung stünde, würde das die Mediziner in Summe nicht benachteiligen, aber den Patientinnen und Patienten, die zu über 80 Prozent gesetzlich versichert sind, erheblich nutzen.“

Die Ergebnisse der Studie als pdf

Ulrich Leiner
Sprecher für Gesundheit und Pflege
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