Thomas Gehring, schulpolitischer Sprecher, und die Fraktion der Grünen im Bayerischen Landtag luden am 2.2.2010 zum dritten Fachgepräch der Veranstaltungsreihe "Einfach mittendrin - die Rechte behinderter Menschen stärken" mit dem Titel "Eine Schule für alle? - Was heißt Inklusion in Schule und Bildung?"
Die UN-Konvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen fordert in Artikel 24 ein Recht auf Bildung und ein inklusives Schulsystem auf allen Ebenen. Menschen mit Behinderungen dürfen nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden. Behinderte Kinder haben das gleiche Recht eine Grundschule und eine weiterführende Schule zu besuchen wie nicht-behinderte Kinder. Die notwendige Unterstützung für eine erfolgreiche Bildung muss innerhalb der Regelschule geleistet werden. Mit der Ratifizierung der UN-Konvention im März 2009 hat sich die Bundesrepublik Deutschland zur Umsetzung der Ziele des Übereinkommens verpflichtet. Dies gilt ohne Ausnahme auch für alle Bundesländer.
Die bildungspolitische Realität in Bayern ist noch weit von den Anforderungen der UN-Konvention entfernt. Insgesamt gehen in Bayern 87,5 % der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in eine Förderschule und nur 12,5 % in die Regelschule. Laut dem Bildungsbarometer Inklusion, mit dem der Sozialverband Deutschland die Fortschritte bei der Umsetzung der UN-Konvention gemessen hat, steht Bayern damit im Bundesvergleich am unteren Ende. Für den SOVD ist "ein politischer Wille zur Inklusion in Bayern nicht erkennbar".
Die UN-Konvention verlangt aber den Paradigmenwechsel in der bayerischen Bildungs- und Behindertenpolitik. Wir wollen mit ihnen diskutieren: Wie ist der Weg zur Inklusion zu gestalten? Etwa den schrittweisen Umbau der Förderschulen zu sonderpädagogischen Kompetenz- und Förder-zentren, welche die allgemeinen Schulen bei der Inklusion behinderter Kinder beraten und unterstützen. Wie kann die sonderpädagogische Förderung an allgemeinen Schulen ausgebaut und gesichert werden. Wie können wir die Rechte von Menschen mit Behinderungen im Schulbereich stärken?
Diese Fragen und andere haben Thomas Gehring, die Referenten Prof. Dr. Hans Wocken, Professor für Lernbehindertenpädagogik am Institut für Behindertenpädagogik an der Universität Hamburg, Wissenschaftliche Begleitung der Hamburger Schulversuche zu Integrationsklassen und Integrativen Regelklassen, Michael Eibl, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Förderschulen in katholischer Trägerschaft Bayern, und Ina Stein, ehemalige Bayerische Behindertenbeauftragte Landesvorstand Sozialverband Deutschland SOVD, Mitglied im Landesbehindertenrat Bayern, und viele diskussionsfreudige Gäste versucht zu beantworten.
Stefan Sandor, persönlicher Referent der Behindertenbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung
Unter den 120 Besuchern des Fachgesprächs waren unter anderem Vertreter zahlreicher Behindertenorganisationen, Elternvereine, Lehrerverbände, Bezirksräte und kommunale Behindertenbeauftragte.
