Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen bietet eine historische Chance für einen weltweiten Fortschritt in der Behindertenpolitik. Sie fordert ihre umfassende und gleichberechtigte Teilhabe an allen Bereichen der Gesellschaft. Behinderung wird nicht länger als ein Mangel oder ein Defi zit begriffen, sondern als ein Prozess, in dem die gesellschaftlichen Verhältnisse wesentlich dazu beitragen, ob man im Alltag mit bestimmten Eigenschaften und Fähigkeiten behindert wird oder nicht.
Die Gesellschaft muss sich also so verändern, dass eine volle Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen möglich ist. Hierzu formuliert die UN-Konvention einen ganzen Katalog von Rechten:
Mit der Unterzeichnung und Ratifi zierung des UN-Übereinkommens verpfl ichtet sich die Bundesrepublik ihre nationale Gesetzgebung so auszurichten, dass Menschen mit Behinderungen als vollwertige und gleichberechtigte Bürger ihres Landes anerkannt werden. Der durch die UN-Konvention angestoßene Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik stellt Bund und Länder vor große Herausforderungen.
Über die notwendigen nächsten Schritte auf dem Weg zu einem selbstbestimmten Leben und einer umfassenden Teilhabe von Menschen mit Behinderungen hat Renate Ackermann, MdL, sozial- und familienpolitische Sprecherin der bayerischen Grünen im Fachgepräch „Ein Schatz, der noch gehoben werden muss“ - "Die UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen" diskutiert.
Das erste Fachgespräch der sozialen Veranstaltungsreihe "Einfach mittendrin" – "Die Rechte behinderter Menschen stärken" fand am 20.10.2009 von 16-18 Uhr im Bayerischen Landtag statt. Die Referenten waren Irmgard Badura, Markus Kurth und Klaus Kreuzeder.
Irmgard Badura: Die 36-jährige arbeitet als Fremdsprachenkorrespondentin in Nürnberg. Sie hat in diesem Jahr ihr Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaften an der Fernuni Hagen abgeschlossen. Frau Badura ist Mitglied im Landesvorstand des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes. Im Januar 2009 wurde Sie zur Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen ernannt. Die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Bayern hat sie zu einem Schwerpunkt ihrer Arbeit erklärt. Sie will Gesetze, Strukturen und Lebensbedingungen auf den Prüfstand stellen, um behinderten Menschen einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft zu ermöglichen.
Markus Kurth ist seit 2002 sozial- und behindertenpolitischer Sprecher der grünen Bundestagsfraktion. Die Umsetzung der rechte von Menschen mit Behinderungen und die UN-Konvention waren sein Arbeitsschwerpunkt in der letzten Legislatur. Markus Kurth sieht in der UN-Konvention eine historische Chance für einen Paradigmenwechsel in der Behindertenpolitik. Markus Kurth und die Bundestagsfraktion der Grünen haben sich in zahlreichen Initiativen dafür eingesetzt, dass ein nationaler Aktionsplan verabschiedet wird, der einen Fahrplan zur Umsetzung der UN-Konvention präsentiert.
Klaus Kreuzeder ist mit eineinhalb Jahren an Polio erkrankt und lebt seitdem im Rollstuhl. Mit 16 Jahren begann er seine Laufbahn als Saxophonist. Seitdem zahlreiche Tonträgerveröffentlichungen und über 2.000 Profikonzerte. Auftritte und Tourneen u.a. mit Stevie Wonder, Sting und Udo Lindenberg. Konzerte bei den Paralympics in Athen, Sydney und Atlanta. Engagement beim Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen. Zur Zeit arbeitet er an einer 'Best of Kreuzeder CD'. Mit eineinhalb Jahren ist Klaus Kreuzeder an Kinderlähmung erkrankt und lebt seitdem im Rollstuhl.
