10. Dezember 2009

2. Gespräch am 10.12.2009: “Geistes- und Sozialwissenschaften – Kerngeschäft des ‘Unternehmens’ Hochschule?”

14.30 Uhr in Raum S 501 des Bayerischen Landtags
(Maximilianeum, 81627 München)

Die Hochschul- und Forschungslandschaft verändert sich rasant: Das Wissenschaftssystem steht heute im Zeichen von Internationalisierung und Interdisziplinarität, von Streben nach 'Exzellenz' und Einwerben von Drittmitteln. Die Bologna-Reform hat nicht nur die Lehre, sondern auch die Forschung strukturell verändert. Und nicht zu letzt sind die Hochschulen in zunehmendem Maße einer Ökonomisierung unterworfen: Gefördert wird vor allem, wer schnell verwertbare Ergebnisse liefert oder den Arbeitsmarkt mit Absolventen bedient. Die Universitäten werden zu Unternehmen umgebaut und hierarchisch strukturiert. Die Wirtschaft setzt durch finanzielle Anreize immer häufiger den Fokus von Forschungsvorhaben. Gerade in Bayern wird die Wissenschaftslandschaft einseitig auf technisch-naturwissenschaftliche Fachgebiete verengt – Forschungspolitik als Standortpolitik. Bleibt hier noch Raum für die universitas, für die Volluniversität und ihr Humboldtsches Bildungsideal?

Die deutsche Universitätslandschaft ist bekannt für die Qualität ihrer geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung. Der Wissenschaftsrat lobt die Dichte an universitären Fakultäten, an Bibliotheken, Museen und Forschungseinrichtungen. Zudem zeichnet sich Deutschland durch eine große Breite an kleineren geistes- und sozialwissenschaftlichen Fächern aus.

Doch die Lage der geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschung ist alles andere rosig: Die Budgetierung wird enger, Lehrstühle werden gestrichen, manches 'Orchideenfach' steht durch den Profilierungsdruck vor dem Aus, ganze Fächerkulturen verschwinden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind mit bürokratischen Aufgaben überlastet und einige verlagern ihre Forschungsarbeiten in die Freizeit. Die Zahl der Studierenden in den Geisteswissenschaften hat stark zugenommen, die der ProfessorInnen nicht. "Zu den Auswirkungen der Überfüllung gehört auch, dass die Zahl der geisteswissenschaftlichen Professoren, die tatsächlich aktiv forschen, immer geringer wird. Um das zu ändern und die Forschung wieder stärker aus den außeruniversitären Instituten in die Universitäten zurückzuholen, bedarf es einer Forschungsförderungspolitik, welche stärker an der Erlangung von Forschungszeit als an Personal orientiert ist," bewertet Ulrich Herbert als Mitglied des Wissenschaftsrats die Situation.

Wo steht die Forschung in den Geistes- und Sozialwissenschaften – besonders in Bayern? Wie soll sie weiterentwickelt werden und wo liegen ihre Zukunftsperspektiven? Was fordert die Geistes- und Sozialwissenschaft von der Forschungspolitik in Bayern? Im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe laden wir Sie herzlich ein, diese Fragen mit uns am Runden Tisch zu diskutieren.





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Dr. Sepp Dürr
Kultur- und forschungspolitischer Sprecher
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