Vernetzte Gesundheitsversorgung: Gesundheitsregionen, Managementgesellschaften und Integrierte Versorgung

Titel Vernetzte Gesundheitsversorgung: Gesundheitsregionen, Managementgesellschaften und Integrierte Versorgung
Termin Di. 8.12.2009, 13.00 Uhr15.00 Uhr
Ort Saal 3, Maximilianeum, Bayerischer Landtag, München
Beschreibung

Am 8.12.2009 veranstaltete die grüne Landtagsfraktion ein gut besuchtes Fachgespräch zu Fragestellungen rund um Integrierte Versorgungsmodelle. Dabei wurden die Chancen für Qualitätssteigerung bei gleichzeitiger Kostensenkung in vernetzten Versorgungsstrukturen thematisiert. Momentan dominieren gegenläufige Interessen bei PatientInnen und Versicherern die Debatte: die PatientInnen wünschen sich mehr Leistung, die Versicherer weniger Kosten. Innerhalb von Netzverträgen lässt sich dieses Dilemma lösen.

Theresa Schopper, MdL, gesundheitspolitische Sprecherin der bayerischen Grünen eröffnete das Fachgespräch und begrüßte neben den Referenten auch zahlreiche Interessierte.

Hanswerner Voss von der GCN HealthNet, Initiative Gesundheit GmbH, begann das Fachgespräch mit einem Vortrag über "Neue Vertragsformen im Rahmen der Integrierten Versorgung und ihre Ergebnisse". Hanswerner Voss hat bereits zahlreiche Gesundheitsnetzwerke aus der Taufe gehoben und zum Laufen gebracht. Seine langjährige Erfahrung erlaubt einen Überblick über unterschiedliche Modelle und deren Erfolgsaussichten.

 Der zweite Redner, Helmut Hildebrandt von der OptiMedis AG und Gesundes Kinzigtal GmbH, sprach über "Prävention, chronische Erkrankungen und strukturschwache Regionen – Chancen durch Integrierte Versorgung". Helmut Hildebrandt ist Geschäftsführer der Gesundes Kinzigtal GmbH. Im Kinzigtal ist es gelungen, die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung einer ganzen Region mit einzubeziehen.

In der anschließenden Diskussion klang deutlich an, dass Behandlungen heute häufig nicht an Qualitätszielen ausgerichtet werden. Das ist aber notwendig, um die richtigen Anstrengungen für die Verbesserung des Gesamtgesundheitszustandes der PatientInnen zu erreichen. Um das zu ändern werden in vielen Netzstrukturen Prinzipen aus der Industrie übernommen und auf das Gesundheitswesen übertragen. Dazu gehören Produktentwicklung entlang der Wertschöpfungskette und die Entwicklung von Behandlungspfaden entlang der Leitlinien der Fachgesellschaften. Die koordinierende Leistung der unterschiedlichen Leistungserbringer und Kostenträger wird dabei von Managementgesellschaften oder einer Geschäftsführung erbracht.

Die Etablierung von vernetzten Versorgungsstrukturen im Gesundheitswesen bietet entscheidende Vorteile. Auch Leistungen nichtärztlicher Anbieter können in die Leistungskoordination mit einbezogen werden. Leitlinien für Pharmakotherapie bieten die Chance für signifikante Einsparungen im Bereich der Medikamentenkosten.

Zentraler Bestandteil der Netze ist eine gemeinsame IT-Infrastruktur auf deren Nutzung sich die TeilnehmerInnen verpflichten. Interoperabilität ist einer der Erfolgsfaktoren für die Etablierung vernetzter Strukturen. Hier ist die Bundespolitik gefragt, Standards für offene Schnittstellen vorzugeben. Eine elektronische Patientenakte sorgt dafür, dass z.B. Doppeluntersuchungen vermieden werden und jederzeit Transparenz über vorangegangene Behandlungen hergestellt werden kann. Die Netzdaten können dann Grundlage für eine detaillierte regionale Gesundheitsberichterstattung sein.  

Strittig blieb die Frage, nach den Auswirkungen, die ein Wachsen der Netzstrukturen auf den Sicherstellungsauftrag, der derzeit bei den kassenärztlichen Vereinigungen liegt, hat. Die langfristige Perspektive der Kostenentwicklung wurde kontrovers diskutiert, ebenso wie die Chancen wirklich etwas zur Verzahnung des ambulanten und stationären Sektors beitragen zu können, da heute stationäre Einrichtungen in verschwindendem Maße an vernetzten Versorgungsstrukturen beteiligt sind. Angesichts der demografischen Entwicklung  müssen die Einrichtungen und Dienste im Bereich der Pflege langfristig zu vollwertigen Partnern werden.

Wir bedanken uns bei unseren Referenten für die interessanten Vorträge und bei den TeilnehmerInnen für die dichte Fachdiskussion.

Ulrich Leiner
Sprecher für Gesundheit und Pflege
Tel: 089/4126-2335
Fax: 089/4126-1335
Email.: ulli [dot] leiner [at] gruene-fraktion-bayern [dot] de (Ulrich Leiner)