Pflege auf dem Sprung - Herausforderungen in einer alternden Gesellschaft

Titel Pflege auf dem Sprung - Herausforderungen in einer alternden Gesellschaft
Termin Fr. 18.06.2010, 10.00 Uhr13.00 Uhr
Ort Saal 3, Maximilianeum, Bayerischer Landtag, München
Beschreibung

Der  Bereich der Pflege ist ganz besonders von den Auswirkungen des demografischen Wandels betroffen. Wenn wir alle immer älter werden und immer weniger Junge nachfolgen: wer soll die Alten pflegen? In Bayern wir die politische Diskussion zumeist um Standards und Bürokratieabbau geführt – dabei muss die Diskussion um Versorgungsmodelle gehen, darum, wie Pflegebedarfe zu vermeiden sind und wie wir bis ins hohe Alter möglichst gesund und selbstständig bleiben können.

Aktuell führt die Staatsregierung eine Scharade auf Kosten der Pflegebedürftigen auf. Die Finanzierung der Altenpflegeschulen steht seit Monaten auf der Kippe. Während Pläne publik geworden sind, das Schulgeld für die AltenpflegeschülerInnen zu kürzen, gibt es noch immer Lippenbekenntnisse der Sozialministerin Haderthauer. Die Fachschulen selbst sehen sich in ihrer Existenz bedroht und warten auf ein klares Signal zur Zukunft der Finanzierung. Knackpunkt sind nun die bevorstehenden Haushaltsberatungen, die wir natürlich entsprechend begleiten werden.

Martin Steidler, Leiter Versorgungsmanagement der AOK Bayern präsentierte in seinem Vortrag „Herausforderungen in einer alternden Gesellschaft: das neue Modell des Versorgungsmanagements der AOK Bayern“ das neue Versorgungsmanagement der AOK Bayern. Die AOk setzt auf strukturierte Behandlungsprogramme, in denen PatientInnen sektorenübergreifend durch ihren Genesungsprozess begleitet werden und spricht sich für Versorgungskonzepte in den Kommunen aus, um auch gesundheitsbezogene Alltagunterstützung anbieten zu können. Die beste Unterstützung sei jedoch diejenige, die Pflegebedarfe verhindere oder zumindest hinauszögere.

Prof. Dr. Julia Lademann, Leiterin Dualer Bachelor-Studiengang Pflege Hochschule München beschäftigte sich in ihrem Vortrag „Berufsbild Pflege im Wandel“ mit den neuen Herausforderungen in der Pflege und den Entwicklungsmöglichkeiten für Pflegekräfte.  In der Pflege gibt es zwei gegenläufige Bewegungen der Professionalisierung bzw. Deprofessionalisierung: zwischen Tochterersatz und Telemedizin stellt die Pflege den zahlenmäßig größten Gesundheitsberuf, hat aber gleichzeitig nicht viel Macht im Gesundheitswesen. Eine europaweite Harmonisierung von Bildungsabschlüssen im Bereich der Pflege ist notwendig um die notwendige Bewegung in die Pflegeprofessionen zu bekommen:  durch die Zunahme chronischer Erkrankungen und Multimorbidität steigt die Komplexität und damit die Herausforderung an die Pflegekräfte. Die  Begleitung chronisch Kranker und das Leben mit einer Erkrankung über einen langen Zeitraum muss nicht durchgehend medizinisch sein. Durch die Einführung der Fallpauschalen (DRGs) in den Krankenhäusern werden Aufgaben aus der stationären Versorgung in den ambulanten Sektor verlagert (z.B. Intensivpflege zu Hause). Um diesen Herausforderungen zu begegnen sind interdisziplinäre und multiprofessionelle Zusammenarbeit nötig – gleichzeitig brauchen die  bei PatientInnen und Angehörigen mehr Selbstbewusstsein und Kompetenz im Umgang mit ihrer Situation. Information, Beratung und Angehörigenschulungen gehören dann auch in den Aufgabenbereich von Pflegekräften.

Dr. med. Gabriel Schmidt, Bereichsvorstand Hausärzte der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns beschäftigte sich in seinem Vortrag mit der  „Weiterentwicklung und Optimierung der medizinischen Versorgung in Pflegeheimen“. Da es zu erheblichen Abstimmungsproblemen bei der ärztlichen Versorgung in Pflegeheimen kommt, ist ein „Arzt im Heim“ notwendig. Außerdem ist ein Patientenüberleitungsmanagement aus den Kliniken nötig – Drehtüreffekte können bei entsprechender Abstimmung vermieden werden. Aktuell werden Pflegeeinrichtungen durch die immer kürzeren Liegezeiten zu „Hilfskrankenhäusern“ – die dafür notwendige Ausstattung fehlt aber. In den Heimen müssen dringend Lösungen für die Medikation gefunden werden. Auf dem aktuellen Stand werden die Pflegebedürftigen in den Heimen durch Fehl- und Übermedikationen geradezu vergiftet. Der Bereich der Altersmedizin muss vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in der Ausbildung der ÄrztInnen gestärkt werden.

Ulrich Leiner
Sprecher für Gesundheit und Pflege
Tel: 089/4126-2335
Fax: 089/4126-1335
Email.: ulli [dot] leiner [at] gruene-fraktion-bayern [dot] de (Ulrich Leiner)