Neue Versorgungsformen durch eHealth-Anwendungen: Telemonitoring und Telemedizin

Titel Neue Versorgungsformen durch eHealth-Anwendungen: Telemonitoring und Telemedizin
Termin Fr. 16.04.2010, 10.00 Uhr13.00 Uhr
Ort Saal 1, Maximilianeum, Bayerischer Landtag, München
Beschreibung

eHealth und Telemonitoring? Nie gehört. So und ähnlich verlaufen häufig Gespräche zu einem der zukunftsträchtigsten Themen im Gesundheitswesen. Oft wird befürchtet, es gäbe keinen persönlichen Kontakt zwischen ÄrztIn und Patient mehr, wenn elektronische Unterstützung in Anspruch genommen wird.

Unsere europäischen Nachbarländer sind hier oftmals schon viel weiter. In Schweden oder Norwegen, wo die Bevölkerung in einigen Regionen weite Wege zurücklegen muss um einen Arzt zu sehen, gehören Ferndiagnostik durch Spezialisten und Selbstmonitoring bei chronischen Erkrankungen zum Alltag. In Bayern gibt es das Schlaganfallnetzwerk TEMPIS, das auf elektronische Unterstützung baut. Im Ergebnis bleiben mehr PatientInnen ohne bleibende Schäden.

Unter dem Stichwort Telemonitoring werden Maßnahmen geführt, die nicht zur Akutbehandlung gehören. Dr. Günter Braun, Vorstand ARISTO Telemed, gab in seinem Vortrag  "Chancen für die Versorgung durch Telemonitoring und Telemedizin" einen Überblick.

FG eHealth 1

Bei chronischen Erkrankungen wird so das tägliche Leben mit der Krankheit erleichtert. PatientInnen lesen selbst ihre Werte ein und erlangen Kompetenz für den Umgang mit ihrer Erkrankung durch Patientenschulungen. Wenn sich eine ungünstige Veränderung abzeichnet, werden sie von ihrem Arzt oder einer Pflegekraft kontaktiert. Ziel ist es hier, Notfälle durch Früherkennung zu vermeiden. Oft fallen subjektives Wohlbefinden und objektive Gefährdungssituation auseinander. Dieses Vorgehen ermöglicht es, gleichzeitig die Versorgungsqualität für die PatientInnen zu verbessern und Kosten im Gesundheitswesen einzusparen.

Die Diabetesversorgung illustriert diesen Doppelnutzen besonders deutlich: die jährlichen Spätfolgen für Diabetes schlagen dem Gesundheitswesen mit 30 Mrd. € zu Buche, gleichzeitig sind unter diesen Spätfolgen Erblinden und Amputationen zu verzeichnen. Sowohl PatientInnen als auch der Gesundheitshaushalt haben ein berechtigtes Interesse daran, ihre Situation zu verbessern. Durch Telemonitoring ist dies möglich.  Mittlerweile dokumentieren zahlreiche Studien den Erfolg elektronischer Anwendungen. Meist wird der Erfolg in vermiedenen Krankenhauseinweisungen gemessen. Für die Krankenhäuser sind die nicht erfolgten Einweisungen zunächst ein wirtschaftliches Risiko. Wenn sie aktive Teilnehmer an der ambulanten Versorgung werden, lässt sich dieses Dilemma lösen. Außerdem ist nach wie vor die Arbeit an der Prozessoptimierung im Krankenhaus ein Thema. Hier ist die Zielsetzung, unnötige Abläufe zu vereinfachen um mehr Zeit für die PatientInnen zu haben.

FG eHealth 2

Mit der Situation der Krankenhäuser, vor allem "eHealth in der Region Ingolstadt", beschäftigte sich der Vortrag von Thomas Kleemann, IT-Leiter am Klinikum Ingolstadt. Schwierigkeiten bereitet nach wie vor die Dateninfrastruktur: die elektronische Patientenakte über Sektorengrenzen hinweg gibt es noch nicht, eine bundeseinheitliche Schnittstelle würde viel zur Lösung der Interoperabilitätsthemen beitragen.

Noch sind diese Innovationen nur im Rahmen von Selektivverträgen möglich. Aktuell arbeitet der gemeinsame Bundesausschuss daran, Finanzierungsmöglichkeiten für eHealth-Applikationen in der Regelversorgung zu schaffen. Das ist für die Krankenkassen und ÄrztInnen eine wichtige Voraussetzung um stärker in das Thema einzusteigen. Die Seite der Krankenkassen wurde von Ingrid Spiegel in ihrem Vortrag "Perspektive von Telemonitoring und Telemedizin in der Versorgung aus Sicht der Krankenkassen" beleuchtet. Sie stellte unter anderem die Anreize und Ansatzpunkte für die Krankenkassen vor und gab einige Praxisbeispiele.

Ulrich Leiner
Sprecher für Gesundheit und Pflege
Tel: 089/4126-2335
Fax: 089/4126-1335
Email.: ulli [dot] leiner [at] gruene-fraktion-bayern [dot] de (Ulrich Leiner)