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München (sip). Nach seinem etwas zweifelhaften PR-Erfolg mit der Befreiung vermeintlich bayerischer Singvögel am Gardasee ist Umweltminister Markus Söder heftigst auf der Suche nach neuen schlagzeilenträchtigen Fotomotiven. Wie die Grünen erfahren haben, soll diesmal das Scheinwerferlicht auf die Wasserwirtschaft fallen: Um den Ressortchef als Schutzherren der Deiche und Kläranlagen zu befeiern, ist sich der Minister offenbar nicht zu schade, ein Heer von Beamten mit der Suche nach geeigneten Projekten zu beschäftigen. In einem Schreiben an alle 17 Wasserwirtschaftsämter Bayerns ließ Söder darum bitten, Förderprojekte an das Umweltministerium zu melden, "die geeignet sind, öffentlichkeitswirksam durch Herrn Staatsminister übergeben zu werden." Damit sich der ministerielle Spatenstich lohne, seien natürlich nur Projekte ab einer Zuweisungssumme von 250.000 Euro relevant. Und damit ihm nicht wie am Gardasee wieder ein Grünfink als Erlenzeisig untergejubelt wird und so die PR-Schau stiehlt, geht der Minister diesmal auf Nummer sicher: "nur kritikfreie Vorhaben" will das Ministerium von seinen Beamten gemeldet haben.
Christian Magerl, umweltpolitischer Sprecher der Grünen und Vorsitzender des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag, will nun wissen, ob eine solche Beschäftigungstherapie für die öffentliche Inszenierung des Ministers ein spezielles Söder-Phänomen ist oder auch in anderen Ministerien praktiziert wird. "Immerhin arbeiten in den Wasserwirtschaftsämtern Bayerns rund 2700 Menschen, die sicher Besseres zu tun haben, als Fotomotive für den Ressortchef zu organisieren", wundert sich der grüne Umweltexperte. "Nicht auszudenken, wenn auch die anderen Minister die bayerischen Beamten mit derartigen Arbeitsaufträgen überziehen." Mit einer Anfrage will Christian Magerl daher beim nächsten Landtagsplenum nachbohren.